Das Portrait

(2021)

Wie schön wir waren hier auf Erden,
Sollte festgehalten werden!
So dachte auch ein nettes Paar,
Die Frau mit engelsgleichem Haar,
Der Mann, der trug das Haar als Kranz,
Die Augen waren voller Glanz.

Zum Glück war dieses Paar verwandt
Mit einem Künstler, Frit genannt.
Sie richteten an ihn die Frage,
Ob er sie malt nach Fotovorlage.
Er sprach : „ Das ist mir eine Ehre,
Ich euch das sicher nicht verwehre.

Ich werde euch damit beglücken,
Ihr werdet jauchzen vor Entzücken!“
Der Pinsel wurde wild geschwungen,
Bis Fritz das Werk hielt für gelungen.
Er war darauf echt mächtig stolz,
Rahmt das Portrait mit edlem Holz.

Das Paar große Erwartung hat,
Es findet die Enthüllung statt. -
Das Paar, von Vorfreude beseelt,
Erstarrt entsetzt, guckt sehr gequält .
Fritz zieht sich dezent zurück,
Denkt – wortlos sei das Paar vor Glück.

Das lässt die Gedanken sacken,
Um schnell dieses Portrait zu packen.
Sie hüllen es in dicke Decken,
Damit sie sich nicht mehr erschrecken.
Denn so kannten sie sich nicht,
Nein, das war nicht ihr Gesicht!

Fritz ahnte nichts von dem Dilemma.
Er besucht mit seiner Emma
Zu Geburts- und Feiertagen
Das Paar um Glückwünsche zu sagen.
Das wollte wirklich keinen Streit,
Hielt dann stets das Bild bereit.

Für Fritz, wurde es aufgehängt,
Danach der Nagel eingesenkt,
Das Portrait wieder verschwand
Von der Wohn- Esszimmer- Wand.
Wenn Fritz kam außerhalb der Zeit,
Machte Schwulität sich breit.

Heimlich gab man sich nen Wink,
Bis das Bild dann endlich hing.
Fritz hat sich dann sehr gefreut,
Seine Arbeit nicht bereut..
Irgendwann gabs Fritz nicht mehr,
Die Wand blieb lange Zeit recht leer.

Ich glaube, später kam dann Kleister
Über das Gemälde von dem Meister.
Das Paar ist leider auch verschwunden
Und von seiner Pflicht entbunden.
Fritz, Emma, alles ist Geschichte,
Nun schreibt man über sie Gedichte.

© Regine Range